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LUKAS IMHOF ARCHITEKTUR GmbH
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ERWEITERUNG PRODUKTIONSANLAGE
  • St.Galler Stadtwerke
  • Wettbewerb: Lukas Imhof, Julien Abächerli, Carmen Diaz-Marotto Rivas
  • Ausführung: Lukas Imhof, Marco Bosshardt
  • Statik: Synaxis
  • Freiraum: Pauli Stricker
  • Planung und Ausführung: 2025 - 2030

 

REUSE ALS RE-MIX

Wie baut man ein Gebäude zwischen ein Electrizitätswerk aus der Zeit um 1900 und einem Feuerwehrgebäude in der typischen Architektursprache der 1960er Jahren?

Eine gänzlich neue Sprache auf so engem Raum dürfte beide Baudenkmäler bedrängen. Lehnt man sich volumetrisch und gestalterisch an eines der beiden flankierenden Bauwerke an? Bezieht man sich also (historisierend) an die ausgefachte Betonskelettbauweise von Danzeiser + Voser oder an die Industrierchitektur der vorletzten Jahrhundertwende an? Beides halten wir für kaum machbar.

Wir haben lange über diese Frage nachgedacht – und dann bemerkt, dass das Problem eigentlich schon gelöst ist. Denn es besteht mit dem Zwischenbau von 1897 bereits ein Verbindungsbau zwischen den beiden flankierenden Protagonisten unseres Bauplatzes. Für das neue Programm ist er allerdings zu klein.

Wir fanden unsere Lösung schliesslich in einem Volumen, dass das fragmentarisch erhalten, historische Ensemble wieder zu einem Dreiklang ergänzt. Die historische Fassade des Zwischenbaus zerlegen wir, arrangieren sie neu und ergänzen sie mit einem Aufbau in Holz, der architektonisch die historische Dachlandschaft interpretiert..

Mit der Fragmentierung und Weiterverwendung der bestehenden Fassaden eröffnet sich ein neuer Möglichkeitsraum der Gestaltung: Ein neuer Bau, der Geschichte in sich trägt, indem er in seiner Erscheinung zu grossen Teilen aus einem alten Gebäude besteht, das schon immer als Verbindungsbau an Ort und Stelle stand. Wir verstehen den “Re-Use” dieser Fassade nicht nur als (ehrlicherweise eher kleinen) Beitrag zur Reduktion von CO2, sondern vor allem im Sinne einer Spolie – also dem bewussten Einsatz von Bauteilen aus Vorgängerbauten als kulturelle Praxis. Dazu zerlegen wir die bestehende Fassade einerseits in grössere Module, die wir als Ganzes wiederverwenden – und andererseits in einzelne Backsteine, die wir zum Mauern und Ergänzen verwenden.

Hans-Rudolf Meier beschreibt die Wirkung von Spolien in seinem lehrreichen Werk "Spolien - Phänomene der Widerverwendung in der Architektur" wie folgt: "Die spezifische Leistung von Spolien ist (...) die Verbindung von Zeiten und Orten durch die Unmittelbarkeit materieller Objekte, die durch ihre begrenzte Verfügbarkeit Authentizität schaffen und sich von anderen Praktiken des Referenzieren, wie beispielsweise Architekturzitate, dadurch unterscheiden, dass sie Veränderungen sowohl am Herkunfts- als auch am Zielort bewirken" Unsere Fassaden sollen dem entsprechend ein Stück Stadtgeschichte bewahren und fortsetzen, Wertschätzung und Zuneigung zum Bestand ausdrücken und neue wie alte Bauteile über die Epochen hinweg zueinander in Beziehung setzen. Mittels motivischer und physischer Referenz auf die unmittelbare Baugeschichte entsteht ein Bedeutungstransfer aus der Geschichte des Ortes – und wenn man so will, auch ein leises Zeichen gegen die Ressourcenverschwendung.

Anstelle der Imitation oder der Coverversion tritt so das Prinzip des Remix in der Form einer interpretierenden Collage. Was in der Musik längst eine eigene Kunstform geworden ist, kann in der Architektur im Zeichen der Nachhaltigkeit ein neues Gestaltungsprinzip von Weiterverwenden und Adaptieren werden.  Und wir hoffen, mit diesem Vorgehen die leisen Phantomschmerzen zu lindern, die das arg verstümmelte Ensemble auslöst – und so nicht nur einen Ausdruck für unseren Neubau zu generieren, sondern auch den verbliebenen Bestand zu stärken.

  • Neue Fassade aus alten und neuen Teilen
  • Blick von der Olma mit Kunstfenster
  • Wiederverwendung der Fassade
  • Das neue alte Ensemble
  • Situation
  • Axonometrie
  • Grundriss
  • historische Aufnahme, undatiert
 
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