Anfangs Dezember letzten Jahres ergab es sich, dass zwei Wettbewerbsabgaben zur gleichen Zeit stattfinden sollten: Die Erweiterung der Produktionsstätte der Appenzeller Alpenbitter in Appenzell und die Neugestaltung des Obstmarktes in Herisau. Wir nutzten die Gelegenheit, um ein lange geplantes und immer wieder verschobenes Projekt in Angriff zu nehmen: Visualisierungen in jener Jaxonkreidetechnik zu erstellen, welche die Analogen um Miroslav Sik am Lehrstuhl von Fabio Reinhart in den 1980er Jahren an der ETH entwickelt und benutzt hatten. Nicht ohne Mühe und nur dank der Hilfe von Christoph Mathys gelang es uns schliesslich, an einem langen Wochenende vier Visualisierungen fertigzustellen.

Während wir den Wettbewerb in Appenzell gewinnen konnten, belegten wir in Herisau mit unserem Projekt „Clara“ lediglich den 3.Platz. Die Dokumentation dazu ist jetzt dennoch online.

Und im Jurybericht immerhin der schöne Satz: „Mit suggestiven, grossflächigen Bildern und einer klaren und eleganten Architektursprache wird beim Projekt «Clara» die Stimmung eines städtischen Platzraumes des ausgehenden 19. Jahrhunderts evoziert.“ 

Von allen schnell zusammengegoogelten erinnerten Herbstgedichten gefällt mir jenes von Theodor Storm am besten – es unterläuft den üblichen, lyrischen Herbstkitsch mit seinen zwei äusserst knappen, abschliessenden und wenig romantischen Teilen, die jeweils nur aus einer Strophe bestehen:

Die Sense rauscht, die Ähre fällt,
Die Tiere räumen scheu das Feld,
Der Mensch begehrt die ganze Welt.

Und sind die Blumen abgeblüht,
So brecht der Äpfel goldne Bälle;
Hin ist die Zeit der Schwärmerei,
So schätzt nun endlich das Reelle!

Und so gingen Carlos Wilkening und ich letzte Woche nach der letzten Sitzung der Baukommission über das herbstlich stille Gelände des Ekkharthofs und freuten uns am reellen Leben, das dort Einzug gehalten hat. Als eine der letzten Baumassnahmen wurde der kleine Garten der Wohngruppe für ältere Leute nach den Plänen von Markus Cukrowicz fertiggestellt. Das Guckloch, das sich die Bewohnerinnen gewünscht hatten, um von oben den Betrieb in unserer Turnhalle zu beobachten, hat der Landschaftsarchitekt an den Boden gespiegelt und so auf dem Rundgang durch den Garten einen kleinen, besonderen Ort geschaffen. Die Bewohnerinnen und Bewohner würden ihren neuen Garten sehr schätzen, wurde uns gesagt.

Die alte Sitzbank haben sie irritierend asymmetrisch vor das Fenster gestellt, das kleine Tischchen schiebt sich nicht weniger irritierend über den Rand der runden Asphaltfläche ins Gartenbeet hinein. Der Alltag und das Leben halten sich nicht an unseren Plan und nicht an unsere vermeintliche Symmetrieachse*. Die schwärmerischen Bilder, die wir uns von dieser poetisch gemeinten Stelle unseres Hauses gemacht hatten, werden jetzt durch die Realität ersetzt.

Gut so.

 

* Vermeintlich, weil das runde Fenster nicht symmetrisch in die Fassade gesetzt wurde, sondern symmetrisch zum Innenraum – der nicht mittig in die Aussenform gesetzt ist. Obwohl die Abweichung fast einen Meter beträgt, hat das nie jemand bemerkt.  

In Betrieben der Lebensmittelindustrie fallen organische Stoffe an, die nicht verwertet, aber aufgrund ihres hohen Wassergehaltes auch nicht verbrannt werden können. Für derartige Abfälle ist die biologische Abfallbehandlung das Mittel der Wahl: In einem kontrollierten Faulprozess wird Biogas und Wärme gewonnen und als Energieträger weiterverwendet. Die bestehende Annahmestelle der ARA in Altenrhein ist an ihre Kapazitätsgrenze gestossen und wird zur Zeit erweitert und saniert. Die Bauarbeiten machen rasant Fortschritte und die skulpturale Volumetrie der neuen Cosubstratannahmestelle ist bereits erkennbar. (-> zum Projekt)

 

 

Gestern nachmittag fand der Spatenstich zu unserem Ersatzneubau am Lindenhof statt. Dank der Firma Brühwiler Kundenmaurer GmbH konnte die Bauherrschaft (und der Architekt..) für einmal nicht nur mit der Schaufel, sondern sogar mit dem Bagger den symbolischen Aushub beginnen. Danke auch an die Krattiger Holzbau AG, die den Anlass organisiert hat.

Und danke natürlich an die Bauherrschaft: wir hoffen, dass die gemeinsam entwickelte Absicht, eine alternative zum Einfamilienhaus und zum gesichtslosen Mietwohnungsbau anzubieten, aufgehen wird – und sind sicher, dass die fünf etwas ungewöhnlichen Mietwohnungen bald vermietet sein werden. Anstelle von Geschosswohnungen oder freistehenden Häuschen sind im Projekt fünf 3-geschossige Wohneinheiten in drei verschiedenen Varianten geplant, die zum Mietpreis einer Wohnung den Komfort eines Einfamilienhauses und Aspekte von gemeinschaftlichem Wohnen anbieten werden. Sie orientieren sich auf einen gemeinsamen Hof und einen gemeinsamen Aussen- und Erschliessungsbereich. Anstelle eines privaten Gartens oder Balkons tritt eine gemeinsame Vorzone, die unter dem weit ausladenden Scheunendach angeordnet ist und die – ja nach Wohnungstyp – direkt ins Wohnzimmer oder die Küche führt.

Wir freuen uns auf den weiteren Bauverlauf und auf die Bauvollendung im nächsten Herbst – und auf das neue Leben, dass dann am vormals etwas verwaisten Lindenhof einziehen wird.

Update 22.09.2020

Swiss Meteo kündigt für Freitag Regen bei 11°C an. Wir werden also drin feiern müssen – und aufgrund der aktuellen Situation alle Kontaktdaten erfassen. Desinfektionsmittel und Masken stehen zur Verfügung. Wir werden, sollte es denn nötig sein, dafür sorgen, dass nicht mehr als 100 Personen in den Räumen sein werden. Wir bitten alle Gäste um verwantwortungsvolles Verhalten und die Angehörigen von Risikogruppen um besondere Vorsicht. 

Für alle, denen das Risiko zu gross ist oder die aus anderen Gründen nicht dabei sein können, werden wir um 18.30Uhr auf dem grossen Monitor im Sitzungszimmer ein Zoom-Meeting übertragen, sodass wir wenigstens digital anstossen können. 


Wir laden Euch herzlich ein, mit uns auf unsere neuen Büroräumlichkeiten anzustossen!
Und zwar am

Freitag, 25.09.2020
ab 17:00 Uhr

an der Seestrasse 367 in Zürich Wollishofen.

Das Catering macht der Ekkharthof zusammen mit dem 4-Linden-Traiteur der Zürcher Eingliederung – unsere bewährten Partner auch für unsere kleine Möbelfirma WIMM.

Anreise mit Tram N°7 bis Post Wollishofen, mit der S8, der S24 oder dem Bus N°70 bis Bahnhof Wollishofen – oder mit dem Kursschiff N°3731 bis Zürich Wollishofen See.

Wir hoffen auf schönes Wetter, sodass wir hauptsächlich im Garten sein können. Eine Liste für Kontaktdaten wird aufliegen und wir bitten alle Gäste, sich einzutragen.

Am kommenden Wochenende ziehen wir, nicht ohne Bedauern, aus unserem langjährigen, aber zu eng gewordenen Domizil an der Sihlfeldstrasse 10 an die Seestrasse 367 nach Wollishofen.

Unsere neue Adresse lautet:

Lukas Imhof Architektur GmbH
Seestrasse 367
8038 Zürich

Wir bitten alle, ab nächster Woche die neue Adresse zu verwenden. Und gleichzeitig um Nachsicht, falls in den ersten Tagen das eine oder andere noch nicht reibungslos funktionieren sollte.

Wir freuen uns, Sie darüber orientieren zu dürfen, dass Jean-Brice de Bary, Architekt M.A. ZHAW, ab dem 01.09.2020 zum Associate und Mitglied der Geschäftsleitung der Lukas Imhof Architektur GmbH ernannt worden ist.

Jean-Brice ist Jahrgang 1981. Nach der Berufslehre zum Konstrukteur absolvierte er sein Bachelorstudium an der BFH und das Masterstudium an der ZHAW, das er im Jahr 2011 abschloss. Von 2012 bis 2014 arbeitete er bei Darlington Meier Architekten in Zürich. Seit 2014 ist er bei der Lukas Imhof Architektur GmbH tätig.

Er hat verschiedene Projekte, Wettbewerbe und Studien in unserem Büro verantwortlich betreut und ist in die wichtigen Entscheide des Büros seit längerem einbezogen. Mit seinem Wissen und seiner Erfahrung in den Bereichen Architektur und Konstruktion, Projektsteuerung und Realisierung sowie seinem entwerferischen Talent wird er unsere Geschäftsleitung auf gewinnbringende und vielfältige Weise verstärken.

Ich freue mich, dass die Verantwortung für unsere Arbeit nun breiter abgestützt ist und so auch unsere Kapazität erweitert wurde.

Allen unseren Geschäftspartnerinnen und -partnern danken wir für das bisher entgegengebrachte Vertrauen und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit.

(hintere Reihe, zweiter von rechts: Jean-Brice de Bary)

Es war, der zufälligen Namensähnlichkeit zum Trotz, weniger das hinlänglich bekannte Haus am Horn, das uns als Referenz zum raumbildenden Prinzip des Kindergartens in Horn diente. Vielmehr hatten wir beim Entwurf vermutlich einfach die gleichen Bilder im Kopf wie Georg Muche: Das von der Arts-and-Crafts-Bewegung aufs europäische Festland transferierte Grundriss- und Schnittmotiv der zentralen, überhohen Halle, um die verschiedene Raumnischen, Neben- und Erschliessungsräume angegliedert sind. Ein äusserst beliebtes, fast obligatorisches Prinzip der Reformarchitektur in Deutschland bzw. des Heimatstils  in der Schweiz. (Kennt man diese Räume, wird übrigens auch der heilige Adolf Loos etwas menschlicher: Viele seiner raffinierten Raumpläne haben ihre Vorbilder ebenfalls in der Arts-and-Crafts-Bewegung.) Auch der gleichermassen gliedernde wie schmückende Einsatz von kräftigen Farben, den wir hier versuchen, kommt in diesen Referenzen exzessiv vor.

So entwarfen wir im Sommer 2014 einen zentralen Raum mit grosszügiger Höhe, um den sich verschiedene Nebenräume so angliedern, dass zwischen Hauptraum und Fassade vermittelnde Nischen bilden, die als Bastelnische, Familiennische, Fensternische und Küche dienen. Und freuen uns, dass wir im Herbst 2020 die Arbeiten an diesem Projekt weiterführen dürfen.

Der architektonische Ausdruck übrigens und seine Anleihen an die Sprache der 1960er Jahre ist der Tatsache geschuldet, dass der Bau Teil des Ensembles aus Mehrzweckhalle, Hauswartsbungalow und Kindergarten ist. Wir hoffen aber, dass es uns gelungen ist, mit einem raumbildenden Prinzip des beginnenden 20sten Jahrhunderts, einer Architektursprache der späten Moderne und den Anforderungen einer heutigen Pädagogik etwas Neues zu schaffen.

Aber was ich eigentlich sagen wollte: Die neue Projektseite ist online. 

(Alle historischen Abbildungen aus: Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst, Stuttgart 1911)

 

 

Wir freuen uns sehr darüber, die Produktionsanlage der Appenzeller Alpenbitter AG erweitern zu dürfen. Entstanden ist das Projekt aus einem Wettbewerb im Herbst letzten Jahres – nun wurde das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt und wir haben die Arbeit am Vorprojekt aufgenommen.

Nachtrag 07.September 2020
Swiss Architects hängt die Messlatte hoch:
„Bauten für Ricola waren sozusagen der stepping Stone zu Grösserem für Herzog & de Meuron. (…) Ob der Appenzeller Alpenbitter Lukas Imhof in ähnlichem Masse voranbringen wird?“
Wir werden uns Mühe geben.

Und bedanken uns für die Beschreibung, dass unser Projekt „ebenso elegant wie diskret“ sei.

Nachtrag 10.September 2020
Die Projektseite ist online.