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Posted on 03.04.2026

Die traurigen Gesichter der Zweitplatzierten

Il secondo è il primo dei perdenti

In Ihrer Studie «Counterfactual Thinking and Satisfaction Among Olympic Medalists» halten die Psycholog:innen Victoria Medvec, Scott Madey und Thomas Gilovich zum ersten Mal fest, dass die Gesichter der zweitplatzierten Olympiaathlet:innen signifikant weniger glücklich aussehen als jene der Bronzegewinner:innen – sie werteten dazu die Bilder der Medaillenverleihungen der Sommerolympiade 1992 aus. Eine Feststellung, die später mit einer automatisierten Auswertung einer grossen Zahl von Fotos der Medaillenverleihungen an den Olympiaden zwischen 2000 und 2016 in einer weiteren Studie (Hedgcock, Luangrath, Webster – Kontrafaktisches Denken und Mimik unter olympischen Medaillengewinnern) erhärtet und verfeinert wurde. So wurden etwa auch die Erwartungen der Sportler:innen anhand der Berichterstattung im Vorfeld der Spiele berücksichtigt – doch die Erkenntnis blieb: Die Drittplatzierten waren normalerweise glücklicher als die Zweitplatzierten.

Es scheint also nicht nur uns so zu gehen, dass die ambivalente, fast paradoxe Erfahrung zwischen objektivem Erfolg – wir waren besser als praktisch alle anderen – und subjektivem Scheitern – wir waren nicht gut genug – besonders quälend empfunden wird. «Il secondo è il primo dei perdenti» – dieser Enzo Ferrari zugeschriebene Satz, dass also der Zweite nur der erste der Verlierer sei, bringt es ganz ohne wissenschaftliche Studien auf den Punkt: Das Gefühl, ganz nahe dran gewesen zu sein, aber doch nicht gewonnen zu haben, ist besonders schmerzhaft – und hat bei einem Verarbeitungsbier im Büro schonmal zum Satz geführt: «Zweiter werden ist eigentlich wie gewinnen, nur mit weniger Geld und ohne Auftrag.»

Achtmal Zweiter: eine kurze Gebrauchsanweisung fürs Verlieren

In den letzten fünf Jahren haben wir das Gefühl erstaunliche acht Mal erleben müssen oder dürfen. Wir versuchen uns dann mit dem Tattoo des ewigen Zweiten des Schweizer Tennis, Stan Wawrinka, zu trösten: Er hat sich das so pathetische wie häufig zitierte Beckett-Zitat “Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.” auf den Arm stechen lassen. Manchmal dauert es etwas, aber aus fast jeder dieser Niederlagen konnten wir mit ein klein wenig Distanz etwas lernen und uns verbessern – und in der Folge davon besser scheitern und, selten genug, auch mal gewinnen. (Vgl. dazu auch «Zwei Kindergärten») Manchmal hat man übertrieben oder war zu verliebt in die eigenen Ideen. Manchmal ging man zu weit – oder zu wenig weit. Manchmal hat man das Thema noch nicht ganz durchdrungen oder scheiterte bei der Durchführung. Einiges erweist sich als Irrweg, aber das Meiste gelingt beim zweiten Mal besser und wird beim dritten Versuch richtig gut. Selten bleibt das Gefühl, zu unrecht nicht gewonnen zu haben. Meistens aber merkt man früher oder später: Die Anderen waren diese Mal vermutlich einfach besser.

In loser Folge publizieren wir nun also folgende zweite Plätze der letzten Jahre und beginnen heute mit Wettbewerb für das Kartoniareal in Glarus.

  • Kartoniareal Glarus – Bereich Hänggiturm
  • Passerelle Niederwangen
  • Wohnbauten Federburgstrasse 31 und 33, Ravensburg
  • Neubau Besucher- und Therapiezentrum, Herisau
  • Verwaltungsgebäude und Buseinstellhalle, Herisau
  • Doppelkindergarten Städeli, Wil
  • Erweiterung Werkstatt Stiftung Egnach
  • Erweiterung Primarschulhaus, Altnau

 

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