
Mit diesem fragmentierten Ausblick, fotografiert durch das Strukturglas des Treppenhaus der neuen Faultürme der Kläranlage Jungholz in Uster, wünschen wir Allen frohe Festtage und ein gutes neues Jahr 2026!
(Bild: Karin Burkhardt)
Wir haben uns bemüht, die Eingriffe so klein wie möglich zu halten, die Erweiterung knapp und integrativ und die ganze Anlage auf eine möglichst zurückhaltende, fast leise Art in ein zukunftsfähiges Ensemble umzuwandeln. Das bestehende Schulhaus, obschon zum Abbruch freigegeben, lassen wir stehen – und versuchen, mit einigen kleinen Eingriffen und einer kleinen Erweiterung die ursprünglichen Qualitäten des Baus wiederzufinden und in zeitgemässe Schulräume zu übersetzen. Selbstverständlich lassen wir auch den bestehenden Kindergarten stehen. Er funktioniert gut und hat das Ende seiner Lebensdauer längst nicht erreicht. Statt einem Abbruch versuchen wir, seine etwas unglückliche, städtebauliche Setzung in das neue Ensemble einzubinden. Die Erweiterung der Anlage mit einer Mehrzweckhalle, einem Kindergarten und Räumen für die Lehrpersonen erfolgt in einer Holzbauweise, die ihren Ausdruck zwischen der Sprache des Holzbaus, der Geschichte des Ortes und dem erhaltenen Schulgebäude findet.
Die Qualitäten des Projekts entstehen aber nicht nur durch die neuen Bauten, sondern vor allem auch durch die Räume, die zwischen den Bauten entstehen. Eine vielfältige Platz- und Raumabfolge entsteht, die auf verschiedenen Ebenen unterschiedliche Funktionen für Schule und Kindergarten, aber auch für das Vereins- und Dorfleben abzudecken vermag. Durch das Zusammenrücken der Bauten werden zudem die Landreserven geschont und der Versiegelungsgrad reduziert.
Ökologie, Ökonomie und Nutzung gehen so in der architektonischen Idee des Weiterbauens auf.

Mit diesem fragmentierten Ausblick, fotografiert durch das Strukturglas des Treppenhaus der neuen Faultürme der Kläranlage Jungholz in Uster, wünschen wir Allen frohe Festtage und ein gutes neues Jahr 2026!
(Bild: Karin Burkhardt)

Erfreuliches aus der Abteilung Kindergärten: Wir konnten den Wettbewerb für einen Vierfachkindergarten in Eiken gewinnen und freuen uns sehr darüber!
Als ortsbauliches Ordnungselement und als verbindender Raum für Kinder, Lehrpersonen und Eltern etablieren wir eine gedeckte «Gasse», die alle vier Kindergärten verbindet: Erschliessungsraum, gedeckter Spiel- und Lernbereich und Schattenspender in einem. Diese Gasse mündet in einem morgensonnigen Ankunftsplatz. Und alle Kindergärten sind nicht nur von der Gasse her erschlossen, sondern können mit einer Faltverglasung auch zur Gasse geöffnet werden, sodass Klassenzimmer und Aussenraum im Sommer ineinander übergehen. Jeweils zwei Kindergärten sind zusammen organisiert und können an verschiedenen Stellen verbunden werden. Natürliche Materialien (Holz, Lehmputze, Linoleum), eine ausgeprägte Farbigkeit und ein wunderbarer Garten (August und Margrith Künzel Landschaftsarchitektur) lassen, hoffentlich, einen Ort entstehen, der Kindern für die ersten Jahre ihre Schulzeit Heimat sein möge.
Mit: schaerholzbau, August und Margrith Künzel Landschaftsarchitektur, Prona Nachhaltigkeit

Wir hatten uns vorgenommen, das nachhaltigste und einfachste Gebäude zu entwerfen, dass wir uns vorstellen konnten. Wir haben dafür eine interdisziplinäre Zielvereinbarung formuliert und uns hohe Ziele gesteckt: kein Zement, keine Leime, keine Schäume. Dauerhaft, aber komplett rückbau- und wiederverwendbar. Nur natürliche Materialien. Bilanziell energieautark. Einfacheste Haustechnik. Erhalt der Bäume auf dem Areal. Wiederverwendung von vorhandenen Bauteilen.
Mit unserem Entwurf ERLA waren wir dann ganz glücklich. Auf Schraubfundamenten erstellt und komplett in Schnittvollholz konstruiert, mit Speichermasse aus Lehmziegeln und einer natürlichen Lüftung, die auch als Nachtauskühlung dient und für die wir mit raumhaltigen Kaminen den nötigen Druckunterschied erzielten. Ausserdem konnten wir zwei alte Bäume erhalten, die gefällt werden sollten. Und zumindest wir glaubten: schön waren die Räume auch. Und das Gebäude identitätsstiftend für den Ort.
Das Projekt wurde im Wettbewerb mit dem zweiten Platz ausgezeichnet und ein schönes, eher konventionelles Projekt eines örtlichen Architekturbüros zum Siegerbeitrag gekürt. Was in der Jury vor sich ging, darüber kann natürlich nur spekuliert werden – aber das identische Preisgeld für den ersten und den zweiten Platz ist zumindest aussergewöhnlich.
Auch der Jurybericht gibt leider keine Auskunft. Da ist viel von „Prinzen und Kapitäninnen, Ritterinnen und Bauersleuten“ oder auch von «gutmütigen Wächtern» die Rede, aber kaum von Architektur. Nur den Technikraum hätte sich die Jury, ohne weitere Begründung, zentraler im Gebäude gewünscht. (Warum auch immer. Das Haus hat ja kaum Technik und wo die Elektroeinführung stattfindet war kaum je Gegenstand von Juryentscheidungen. Es scheint sich eine Art gefühltes Haustechnikwissen zu handeln oder um eine typologisch-räumlich wirksame Spielform der Esoterik.) Und die Nebenräume, also Lager- und Putzräume, würden «abgefüllt» wirken. (???)
Eigentlich wird nur im Schlusssatz eine ernstzunehmende Kritik geäussert. Und zwar, dass sich das Projekt in „Formalismen verstricke“. Leider wird kein einziger dieser Formalismen benannt und ich stehe vor diesem Satz wie eine Comicfigur mit plakativ offenem Mund und ganz vielen, dick und gross gezeichneten Fragezeichen über dem Kopf. Es ist vermutlich das am wenigsten formalistische Projekt unserer zwanzigjährigen Bürogeschichte. Noch nie wurde so viel in einem unserer Entwürfe von Konstruktion und Haustechnik – von Luftströmen, Druckunterschieden, Wurzelräumen, Speichermassen, rohen Materialien, Schnittholzlängen und mechanischen Holzverbindungen – definiert.
Wie auch immer. Es ist nicht unüblich, dass ein Jurybericht mehr verschleiert als erklärt – und aus Niederlagen gilt es zu lernen. Vor allem aber sind die Erfahrungen, Gedanken und Ideen auch von nicht realisierten Projekten die Grundlage des nächsten, besseren Entwurfs.
Mit den Gedanken und Absichten aus dem Projekt in Wil machten wir uns also an unseren nächsten Kindergartenentwurf. Wir erweiterteten die Zielvereinbarung um die Absicht, eine vielfältig umnuztbare Struktur zu schaffen, um zukünftige Entwicklungen in pädagogischen Konzepten und Bedürfnissen abbilden zu können. So wurde das Grundkonzept des Kindergartenentwurfs in Wil um eine repetitive, gerasterte Stützenstruktur erweitert, welche auf dem Raster der Tiefgarage beruht und einen direkten Lastabtrag ohne Abfangdecke ermöglicht. Innerhalb diese gerasterten Systems gibt es keine tragenden oder aussteifenden Wände, sodass in Zukunft eine grosse Zahl von Nutzungen möglich ist.
Auch mit diesem Entwurf waren wir sehr glücklich. Diesesmal aber auch die Jury und die Bauherrschaft – und wir hatten das Glück, das Verfahren gewinnen zu können. Heute nun hat die Volksschulgemeinde Bottighofen den Baukredit über knapp 10‘000‘000 Sfr. mit 65% JA-Stimmen angenommen. Wir freuen uns sehr über dieses Resultat, das Vertrauen der Bevölkerung und die nun kommende Umsetzung unseres Projektes.


Im Frühjahr wurde die erste Etappe unserer Produktionserweiterung der Appenzeller Alpenbitter fertiggestellt und kurz darauf in Betrieb genommen. Es handelt sich dabei um einen Neubau eines Hochregallagers für Spirituosen und eine neue Spedition mit Anlieferung und Selbstabholung. Die Bauarbeiten für die zweite Etappe – eine Aufstockung auf die bestehende Abfüllanlage mit Büros und Lagerflächen haben bereits begonnen und werden 2026 abgeschlossen sein.
In den letzten Tagen ist nun die photographische Dokumentation der ersten Etappe abgeschlossen worden. Hannes Heinzer hat den Bau mit grossem Verständnis photographier – einige der Bilder sind nun online und auf unserer Projektseite aufgeschaltet. (Dieser Beitrag ist ein Update zu «Aufgerichtet«)


Wie baut man ein Gebäude zwischen ein denkmalgeschütztes Electrizitätswerk aus der Zeit um 1900 und einem hochwertigen Feuerwehrgebäude in der typischen Architektursprache der 1960er Jahren?
Eine gänzlich neue Sprache in einer Baulücke auf so engem Raum dürfte beide Baudenkmäler bedrängen und kompromittieren. Lehnt man sich also volumetrisch und gestalterisch eher an eines der beiden flankierenden Bauwerke an? Lehnt man sich (historisierend) an die ausgefachte Betonskelettbauweise von Danzeiser + Voser oder die Architektur der vorletzten Jahrhundertwende an? Beides halten wir für kaum machbar.
Wir haben lange über diese Frage nachgedacht – und dann bemerkt, dass das Problem eigentlich schon gelöst ist. Denn es besteht mit dem Zwischenbau von 1897 ja bereits ein Verbindungsbau zwischen den beiden flankierenden Protagonisten unseres Bauplatzes. Unser erster Versuch bestand also darin, die beiden bestehenden Fassaden des Zwischenbaus so zu verschieben, dass ein vergrössertes Spielfeld für die neue Nutzung aufgespannt wird. Aufgrund der grossen Volumina der neuen Nutzung funktioniert diese Strategie nicht zufriedenstellend.
Wir fanden unsere Lösung schliesslich in einem Volumen, dass das fragmentarisch erhalten, historische Ensemble mit einem linearen Bau wieder zu einem Dreiklang ergänzt. Die historische Fassade des Zwischenbaus zerlegen wir, arrangieren sie neu und ergänzen sie mit einem Aufbau in Holz, der architektonisch die historische Dachlandschaft interpretiert und auch dem Bau von Danzeiser + Voser nicht zu nahe tritt.
Mit der Fragmentierung und interpretierenden Weiterverwendung der bestehenden Fassaden eröffnet sich ein neuer Möglichkeitsraum der Gestaltung: Ein neuer Bau, der Geschichte in sich trägt, indem er in seiner Erscheinung zu grossen Teilen aus einem alten Gebäude besteht – einem Gebäude, das schon immer als Verbindungsbau an Ort und Stelle stand. Wir verstehen den “Re-Use” dieser Fassade nicht nur als (verhältnismässig kleinen) Beitrag zur Reduktion von CO2, sondern auch im Sinne einer Spolie – also dem bewussten Einsatz von Bauteilen aus Vorgängerbauten als kulturelle Praxis. Unsere Fassaden sollen ein Stück Stadtgeschichte bewahren, Wertschätzung und Zuneigung zum Bestand ausdrücken, Kontinuität generieren und neue und alte Bauteile über die Epochen hinweg zueinander in Beziehung setzen. Mittels motivischer und physischer Referenz auf die Baugeschichte des unmittelbaren Ortes und die ursprüngliche Bebauung entsteht ein Bedeutungstransfer aus der Geschichte des Ortes – und wenn man so will, auch ein leises Zeichen gegen die Ressourcenverschwendung.
Dazu zerlegen wir die bestehende Fassade einerseits in grössere Module, die wir als Ganzes wiederverwenden – und andererseits in einzelne Backsteine, die wir zum Mauern und Ergänzen verwenden. Die Module, in einfache Stahlrahmen gespannt, können direkt auf der Baustelle gelagert und später wieder eingebaut werden. Die Weiter-Verwendung von Backsteinen historischer Bauwerke (bis ca. 1960) ist unproblematisch, da sich der Materialverbund mit Fugen aus dem recht weichen Kalkmörtel, leicht lösen lässt. Wir benutzen die so gewonnen Ziegelsteine für ergänzende Bauteile, etwa für die neuen Eckpilaster, die Zahnfriese und als Ausfachung im Innern des Gebäudes.
Anstelle der Imitation oder der Coverversion tritt so das Prinzip des Remix in der Form einer interpretierenden Collage. Was in der Musik längst eine eigene Kunstform geworden ist, kann in der Architektur im Zeichen der Nachhaltigkeit ein neues Gestaltungsprinzip von Weiterverwenden und Adaptieren werden. Und wir hoffen, mit diesem Vorgehen die leisen Phantomschmerzen zu lindern, die das arg verstümmelte Ensemble auslöst – und so nicht nur einen Ausdruck für unseren Neubau zu generieren, sondern auch den verbliebenen Bestand zu stärken.
Wir freuen uns sehr über das Resultat des Projektwettbewerbs «Unterwerk Steinachstrasse» , den wir zusammen mit Synaxis und Pauli | Stricker gewinnen durften. 
Im Rahmen des Vortragszyklus «projet, histoire, construction» von docomomo.ch werde ich am 07.05.2025 um 17:30Uhr einen Vortrag über einige unserer Infrastrukturprojekten in architekturhistorisch interessanten Kontexten halten.
Der Vortrag wird per Livestream übertragen.